RAM vs. SSD - Welche Aufrüstung bringt mehr Performance?

Klassisches Dilemma: Das Geld ist knapp und reicht nur noch für den Einbau einer SSD (statt einer herkömmlichen Festplatte) oder für die Aufrüstung des Arbeitsspeichers. Welche Maßnahme bringt mehr Performance? Die Antwort darauf zu geben ist nicht so leicht. Wir versuchen es trotzdem.

Die Frage, ob ein SSD-Upgrade oder eine RAM-Aufstockung mehr Sinn macht, stellt sich nicht nur bei älteren Rechnern sondern auch noch bei Neuanschaffungen. Herkömmliche Festplatten auf Magnetbasis werden zwar immer seltener, gerade in der Apple-Produktpalette, es gibt sie trotzdem noch. Zum Beispiel in den kleinen iMac-Modellen oder im kleinen Macbook Pro. Häufiger stellt sich die Frage aber beim Aufrüsten älterer Geräte. Wenn das Betriebssystem nicht mehr so flott reagiert wie früher und man gerade ein bisschen Geld übrig hat bietet sich eine Aufrüstung an. Sowohl RAM als auch SSDs sind inzwischen in ordentlichen Größen zu günstigen Preisen erhältlich. Also was lohnt sich nun mehr? Eine Festplatte durch eine SSD ersetzen, oder lieber den Arbeitsspeicher verdoppeln?

Arbeitsspeicher: Wann lohnt sich ein Upgrade?

Ob sich das Aufstocken des Arbeitsspeichers lohnt, kommt vor allem darauf an, wie viel Speicher bereits verbaut ist und wofür der Rechner verwendet wird. Alle Daten mit denen der Prozessor rechnen will, werden von der Festplatte in den Arbeitsspeicher geladen. Dort werden sie vorgehalten solange eine Anwendung rechnet oder aktiv ist. Vom Arbeitsspeicher gelangen die Daten dann in die verschiedenen Cache-Stufen der CPU und schließlich in die CPU-Register wo mit ihnen gerechnet wird.

Wenn alle laufenden Anwendungen mehr Arbeitsspeicher benötigen als physikalisch vorhanden ist, dann erzeugen alle modernen Betriebssysteme eine Auslagerungsdatei oder SWAP-Datei auf der Festplatte, die dann als virtueller Arbeitsspeicher verwendet werden kann aber natürlich deutlich langsamer als physikalischer RAM arbeitet. Diese Auslagerung sollte also im Idealfall gar nicht oder nur sehr selten stattfinden damit der Rechner schnell arbeiten kann.

Nicht gut: Wenn Mac OS dauerhaft gelben oder roten Speicherdruck anzeigt ist es Zeit für ein Upgrade (Screenshot: Apple.com)

Wie der aktuelle Status eures Systems ist könnt ihr in der Auslastungsanzeige (Mac OS X) bzw. im Task-Manager (Windows) nachsehen. Dort steht immer wie viel RAM physikalisch vorhanden ist, wie viel davon belegt ist, und wie groß eure Auslagerungsdatei ist. Gut ist natürlich eine möglichst geringe Auslastung und eine möglichst kleine Auslagerungsdatei. Wenn ihr diese Kennzahlen im laufenden Betrieb beobachtet und feststellt dass eure Werte nicht so gut aussehen (dauerhaft mehr als die Hälfte oder maximal 2/3 belegt), dann lohnt sich für euch vermutlich ein RAM-Upgrade. Mac OS X zeigt das sogar in der linken unteren Ecke in einem Diagramm farblich passend an. Ist der Graph dort über längere Zeit gelb oder rot solltet ihr aufrüsten. Typischerweise ist das vor allem der Fall wenn ihr bisher sehr wenig Speicher verbaut habt (bei aktuellen Betriebssystemen und normaler Verwendung ist alles unter vier Gigabyte relativ knapp dimensioniert) und wenn ihr gerne viele speicherhungrige Anwendungen parallel verwendet.

Auch unter Windows sieht man die aktuelle Speicherauslastung im Task-Manager.

Durch das Vergrößern des Arbeitsspeichers können mehr Daten vorgehalten werden, das reduziert also die Wartezeit beim Ein- und Auslagern von Speicherabschnitten, deswegen fühlt sich ein System mit mehr Arbeitsspeicher auch ein bisschen schneller an. Solange ihr aber im Betrieb nicht an eure Speichergrenzen stoßt, werdet ihr auch nichts von einem RAM-Upgrade merken.

SSD: Wann lohnt sich der Austausch der Festplatte?

Herkömmliche Festplatten speichern Daten auf rotierenden Magnetscheiben. Um Daten zu lesen oder zu schreiben muss ein Lese-/Schreibarm physikalisch an eine bestimmte Stelle auf der Scheibe gebracht werden. Dieser Vorgang dauert sehr lange und die mechanischen Bauteile sind sehr anfällig für physikalische Schäden. Die neueren SSDs (Solid State Disks) basieren auf Flash-Speicherbausteinen, die ihre Information als elektrische Ladung in Transistoren speichern und damit keinerlei mechanische Teile benötigen. Die Geschwindigkeit dieser Speicher ist deutlich höher als bei Festplatten und sie sind mechanisch unanfällig.

SSDs sind sowohl in der Latenz (Dauer bis die Daten übertragen werden können) als auch in der Bandbreite deutlich schneller als herkömmliche Festplatten. Deswegen profitiert fast jede Anwendung im Rechner vom Einbau einer SSD. Besonders merkt man den Effekt einer SSD beim Lesen und Schreiben großer Datenmengen (sowohl in Bezug auf die Größe als auch auf die Anzahl von Elementen). Besonders deutlich ist der Unterschied zum Beispiel beim Systemstart, beim Laden und Speichern von großen Dateien, bei der Bildbearbeitung, beim Videoschnitt oder beim Zocken. Eine schnelle SSD hilft übrigens auch bei einem System mit wenig Arbeitsspeicher, denn auch der Zugriff auf die Auslagerungs-/SWAP-Datei wird dadurch schneller.

Fazit: Meistens macht sich die SSD stärker bemerkbar

In den meisten Fällen wird eine SSD einen deutlicheren Geschwindigkeitszuwachs bringen. Der Vorteil der SSD ist, dass alle Anwendungen davon profitieren, während ein RAM-Upgrade nur in manchen Szenarien bemerkbar wird. Wer sehr wenig Arbeitsspeicher besitzt sollte trotzdem den Speicher aufrüsten, denn mit voranschreitender Zeit werden die meisten Programme und auch Betriebssysteme immer speicherhungriger. Eine SSD kann vielen alten Rechnern noch einmal richtig auf die Sprünge helfen, und die Lebenszeit um ein paar Jahre verlängern.

Eine sehr gute Wahl für das Nachrüsten einer SSD bei Macs ist die SSD wrk von Angelbird. Diese SSD ist das einzige Modell auf dem Markt, dass das TRIM-Feature ab Werk unterstützt, das für zusätzliche Geschwindigkeit sorgt. Für alle anderen Rechner bietet Samsung mit seiner aktuellen 850-Serie ordentliche Modelle zum akzeptablen Preis an.

P.S.: Wer uns nicht glauben will, dem können wir einen Artikel (samt Video) der Kollegen von CompuRAM empfehlen, die haben beide Aufrüstungs-Varianten mit einem alten MacBook durchgespielt und die Ergebnisse miteinander verglichen.