Fusion Drive: Macht Apples Hybrid-Laufwerk heute noch Sinn?

Im Jahr 2013 führte Apple seine Hybrid-Lösung zwischen Festplatte und SSD namens Fusion Drive ein. Die Technologie kombiniert die Vorteile beider Medien. Aber macht das Fusion Drive im Jahr 2016 bei rekordverdächtig geringen SSD-Preisen überhaupt noch Sinn?

SSD-Laufwerke waren vor wenigen Jahren noch ein seltenes Feature im Consumer-Bereich. Die Preise der Laufwerke waren dafür einfach zu hoch – kaum jemand konnte es sich leisten seine gesamten Daten auf SSD-Speicher zu lagern. Deswegen kamen Festplattenhersteller etwa ab 2007 auf die Idee sogenannte Hybrid-Laufwerke (auch SSHD genannt) zu erschaffen: Normale Magnetfestplatten mit einem integrierten aber schnellen SSD-Speicher in relativ kleiner Größe (meistens zwischen wenigen Megabyte und 16 Gigabyte). Der SSD-Speicher dient dabei als Cache (entweder nur für Lese- oder für Lese- und Schreiboperationen). Durch kluge Algorithmen entscheiden dann leistungsfähige Controller-Chips welche Blöcke der Festplatte im schnellen SSD-Teil vorgehalten werden, und welche weiterhin auf den langsamen Magnetscheiben abgelegt werden. Nach kurzer Anlernphase haben die Controller dann zum Beispiel erkannt, dass die Dateien zum Starten des Betriebssystems oft benötigt werden, und deswegen auf der SSD liegen sollten.

Apple Fusion Drive: Es können beliebige Laufwerk verwendet werden

Apples Fusion Drive ist diesem Konzept sehr ähnlich, allerdings handelt es sich um eine reine Software-Lösung. Die Entscheidung, welche Daten wo gelagert werden, wird vom Betriebssystem gefällt. Das heißt eine handelsübliche SSD und eine handelsübliche Festplatte können zusammen zu einem logischen Fusion Drive kombiniert werden. Es sind keine speziellen Hybridfestplatten notwendig.

Konzeptionell ist ein Fusion Drive auch heute noch sehr sinnvoll, daran wird sich so schnell auch nichts ändern, denn je schneller ein Speicher ist, desto teurer wird er auch zukünftig immer sein. Also macht es Sinn, Daten je nach Häufigkeit des Zugriffs in unterschiedlichen Speichern abzulegen. Das passiert genau so zum Beispiel innerhalb einer CPU, wo Daten zwischen den Registern und verschiedenen Caches hin- und herkopiert werden. Die Daten auf der Festplatte in häufig benötigte und daher schneller verfügbare und selten benötigte und damit langsam verfügbare Daten aufzutrennen ist auch 2016 noch sinnvoll.

Allerdings sind die Preise für SSD-Laufwerke in den letzten Jahren so stark gesunken, dass viele Nutzer sich gleich eine größere SSD-Festplatte kaufen um alle Daten darauf abzulegen. Zur Zeit der Einführung von SSHDs im Consumer-Markt um das Jahr 2007 lag der Preis pro Gigabyte SSD-Speicher noch bei 3-5 US-Dollar. Im Mai 2016 liegt er bei etwa 20 Cent pro Gigabyte. Setzt sich dieser Trend fort, könnte es etwa um das Jahr 2020 1-Terabyte-SSDs unterhalb der magischen 100-Dollar-Grenze geben. Allerdings wird es auch danach noch weitere Jahre dauern bis größere Kapazitäten von 2 oder 3 Terabyte erschwinglich sein werden. Wer also große Datenmengen ablegen muss, für den sind Magnetfestplatten auch in den nächsten Jahren nicht wegzudenken. Wer dabei trotzdem nicht auf höhere Geschwindigkeiten verzichten will, der kann seine großen Magnetspeicher mit einer SSD in Form eines Fusion Drive deutlich beschleunigen.

Fragwürdige Preispolitik bei Apple macht Fusion Drive besonders interessant

Apples dreiste Preispolitik macht Fusion Drives nach wie vor zu einer Alternative, wenn man sich davor scheut am Mac herumzubasteln. (Screenshot: Apple.com)

Leider gelten die genannten Preise aber nur für den SSDs auf dem freien Markt und nicht für Apples eigene Laufwerke, die ab Werk in allen Macs verbaut werden. Vom Preisverfall bei SSDs ist da nämlich nichts zu merken. Der Preis für ein Upgrade von einer 1-Terabyte-Festplatte auf ein Fusion Drive mit gleicher Kapazität kostet bei Apple aktuell 120 Euro. Und dafür gibt es eine lumpige, 24 Gigabyte große SSD. Für diesen Preis könnte man aktuell auf dem freien Markt eine 500 Gigabyte große SSD anschaffen.

Apples dreiste Preispolitik macht Fusion Drives nach wie vor zu einer Alternative, wenn man sich davor scheut am Mac herumzubasteln. (Screenshot: Apple.com)

Wer also vor ein bisschen Bastelei nicht zurückschreckt, für den macht ein Selbstbau-Fusion-Drive auch in den nächsten Jahren noch viel Sinn (hier geht es zu unserem Rundum-sorglos-Adapter-SSD-Bundle). Wer es sich leisten kann und mit mittleren Kapazitäten (etwa bis zur Terabyte-Grenze) auskommt, der sollte gleich komplett auf SSD umrüsten. Wer aber seinen neuen Mac nicht öffnen möchte und gleichzeitig nicht das Geld für die großen SSD-Modelle hat, für den ist auch das Fusion Drive „ab Werk“ nach wie vor eine interessante Alternative um in die Geschwindigkeitsbereiche einer SSD zu kommen, ohne den vollen Preis dafür bezahlen zu müssen.